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Appenzeller Zeitung 19. Juli 2016  Asylheim-Gegner greifen Regierungsrat an   In Walzenhausen gibt es Ärger - Grund: ein geplantes Durchgangszentrum für Asylbewerber. Undemokratisch, gleichgültig, rücksichtslos: Die Gegner des geplanten Durchgangszentrums Sonneblick in Walzenhausen schiessen scharf gegen den Ausserrhoder Regierungsrat. Sie zeigen sich zornig und enttäuscht über das Vorgehen der Regierung. WALZENHAUSEN. Vergangenen Donnerstag hatte die Ausserrhoder Kantonskanzlei vermeldet, der Kanton und die Stiftung "Sonneblick Walzenhausen" hätten den Vertrag für die Nutzung der "Sonneblick"-Liegenschaft als Asyl-Durchgangszentrum unterzeichnet. Das Haus soll 80 Personen Platz bieten. Die Reaktion von Anwohnern, die gegen das angestrebte Projekt sind, liess in der Folge nicht lange auf sich warten. Wie das Komitee "Anwohner Sonneblick" am Montagabend in einem Communiqué mitteilt, verurteilt es das Vorgehen des Regierungsrates und der Stiftung "Sonneblick Walzenhausen". "Bestimmt wird von oben" Auf das per Petition geäusserte Anliegen mehrerer hundert Einwohnerinnen und Einwohner und des Gemeinderates von Walzenhausen, das Projekt zu redimensionieren, sei in keinster Weise eingetreten worden, schreibt das gegnerische Komitee in seiner Mitteilung. "Von oben - sprich von der Kantonsregierung - wird bestimmt, was geschehen soll. Da lässt man sich nicht dreinreden, schon gar nicht von den direkt Betroffenen", heisst es im Communiqué. Laut der Mitteilung hatte der Gemeinderat von Walzenhausen in einem eingeschriebenen Brief an den Regierungsrat seinen Bedenken zum "überdimensionierten Projekt" Ausdruck gegeben. "Wie zu vernehmen war, hat der Regierungsrat darauf nicht einmal mit einer Antwort reagiert." Das sei höchstens indirekt geschehen mit der Information an die Medien, man habe den Mietvertrag nun unterzeichnet - "mit der horrenden Summe von 21‘000 Franken monatlich", wie das Komitee "Anwohner Sonneblick" schreibt. "Nur wirtschaftliche Interessen" "Diese Gesprächskultur und das mangelnde Demokratieverständnis dieser Oberen gibt sehr zu denken und lässt für den weiteren Verlauf des Projektes wenig Gutes erahnen", schreibt das Komitee weiter. Man habe aus den bisherigen Gesprächen mit der Bevölkerung nichts gelernt. Diese Feststellung gelte auch für die "Stiftung Sonneblick". Anscheinend stünden für den Kanton und die Stiftung nur wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, schreiben die Gegner des Durchgangszentrums weiter. Gemäss der Mitteilung vom vergangenen Donnerstag tritt der Kanton Appenzell Ausserrhoden die Führung des Asyldurchgangszentrums an den Kanton St.Gallen ab. Wie das gegnerische Komitee schreibt, werde so für eine wirtschaftlich optimale Belegung gesorgt, auch wenn die Zuwanderungsfrequenzen in Richtung Schweiz abnehmen sollten, was in einer Zeitspanne von zehn Jahren durchaus Realität sein könne. "Da die 'Stiftung Sonneblick' nach Ablauf der vereinbarten Mietdauer dann gegen 2,5 Millionen Franken eingenommen haben wird, ohne einen Finger dafür zu krümmen, ist diese Institution verständlicherweise nicht bereit, für eine kürzere Mietdauer einzutreten", hält das Komitee der Anwohner weiter fest. "Überrissenes Projekt" Das Komitee "Anwohner Sonneblick" bedauert gemäss der Mitteilung das "überrissene Projekt" im "Sonneblick" im Hinblick auf die Zukunft der Gemeinde ausserordentlich. "Man ist zornig und enttäuscht, insbesondere von der Kantonsregierung", heisst es im Communiqué weiter - ihr sei das Wohl der distanzmässig am weitesten von ihr entfernten Gemeinde offenbar gleichgültig. "Wir können das undemokratische und rücksichtslose Vorgehen nicht akzeptieren und lehnen das Asyldurchgangszentrum mit den vorgesehenen Dimensionen klar ab beziehungsweise stehen weiterhin für die Anzahl von 45 Asylsuchenden für die Dauer von zwei Jahren ein", schreibt die Gegnerschaft abschliessend. (pd/red.)